Eine Kachel fehlt
Velten · V23

Tonberg: Hinrichtung zweier Ostarbeiter 1944 und Gedenken

Verfolgung und EreignisseNamen und Datum belegt (Sterbeliste), Ablauf Zeugenaussage

Am 7. November 1944 starben am Tonberg bei Velten zwei junge Männer aus der Ukraine durch Erhängen: Konstantin Ignatjew (geboren 1921 in Kirowograd) und Viktor Korpo (geboren 1926 in Charkow, 18 Jahre alt). Beide waren als Ostarbeiter in Velten und Bötzow eingesetzt. Die Sterbeliste der Stadt Velten nennt beide mit dem Sterbedatum 7.11.1944. Die Todesursache und der Ort stehen dort nicht.

Den Ablauf schildert ein Arzt in einer eidesstattlichen Aussage vom 18. Oktober 1947 (Prozessakten, Bundesarchiv-Kopie). Er wurde im November 1944 mit dem Polizeiauto zum Tonberg geholt, die Wege waren abgesperrt. In einer Tongrube stand ein Galgen. Zwei gefesselte Männer wurden aus einem Kastenwagen geführt, bewacht von SS-Männern aus Oranienburg, mit Dolmetscher und Staatsanwalt, der das Todesurteil verlas. Danach mussten rund 500 Ostarbeiter zusehen. Die Leichen wurden nach Oranienburg gefahren. Ein anderer Zeuge sprach 1948 von zwei Kriegsgefangenen. Dieser Widerspruch ist vermerkt und nicht geklärt.

Die Lage ist nur ungefähr bekannt. Ein Kartenausschnitt in den Unterlagen zeigt den Fahrweg des Arztes von der Viktoriastraße über die Kochstraße zur Mühlenstraße und an ihr entlang nach Westen. Die Stelle liegt demnach am westlichen Ende der Mühlenstraße, am Mühlenweg. Die Märkische Allgemeine beschreibt sie 2024 als ungefähr dort, wo sich der Weg gabelt. Zeitzeugen oder eine Begehung sollen sie genauer bestimmen.

Gedenken: Die erste Gedenkveranstaltung für die beiden Männer fand am 80. Todestag, dem 7. November 2024, um 15 Uhr am Mühlenweg statt, organisiert von einem Veltener Schüler gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Andreas Noack. Dabei waren ein Vertreter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, eine Vertreterin des Bündnisses für Dialog und Toleranz und Angehörige des Arztes, der 1944 zur Hinrichtung geholt worden war. Gebinde, Blumen und Kerzen wurden niedergelegt. Die Evangelische Kirche Velten legte einen Kranz nieder, auf der Schleife steht «Erinnerung wachhalten». Von der Veranstaltung zeigen wir nur die Kränze und Kerzen, keine Gesichter.

Lage: ungefähr, am westlichen Ende der Mühlenstraße nach dem Fahrweg des Arztes in der Zeugenaussage; die Stelle selbst (Grube) ist vor Ort noch zu klären · 52.69340, 13.16290

Quellen: Sterbeliste der Stadt Velten (Abschrift 2004, Sterbebuch Nr. 164 und 165); Gräberliste Velten, Arolsen Archives; eidesstattliche Aussage vom 18.10.1947 und Ermittlungsbericht in Prozessakten (Ordner Geschichtsprojekt 2004, Bundesarchiv-Kopie); Kartenausschnitt mit Fahrweg des Arztes (Kartendaten Google); Märkische Allgemeine (MAZ Oberhavel) vom 29.10.2024 und 9.11.2024 (Wiedergabe auf rtiesler.de); Ankündigung der Stadt Velten (velten.de, 80. Jahrestag, 7.11.2024, 15 Uhr, Mühlenweg); Angaben der Initiative. Lesung der Namen unsicher: Arolsen liest «Korto». Altersangaben: Die Zeitung nennt 20 und 18 Jahre, die Sterbeliste gibt 1921 und 1926 als Geburtsjahre an. Herkunft: Die Zeitung nennt beide aus Kirowograd, die Liste Korpo aus Charkow.

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